Eine Wohnung zum innerlich Aufladen - Teil 1 - ein Tipp

Was steht in Deiner Wohnung und bringt einen echten Mehrwert in Dein Leben?


Du möchtest Dich gerne in Deiner Wohnung aufladen, es will aber (noch) nicht so ganz funktionieren? Dabei ist Deine Wohnung gut durchorganisiert? Wenn ich um mich schaue, dann stelle ich meist fest, dass wir unsere Wohnungen auf den ersten Blick zwar unterschiedlich einrichten, doch die Menge und die Art der Einrichtung ist bei den meisten Menschen in ihrem jeweiligen Umfeld fast identisch. Erst einmal ist das nicht weiter bemerkenswert. Ungünstig wird es erst, wenn die Standardausstattung Deiner Wohnung nicht zu Deinen ganz individuellen Bedürfnissen passt und Dich nicht so auflädt, wie Du es gerne hättest.

Folgende Begebenheit hat mich zu diesem Thema sehr ins Grübeln gebracht

Sagt die Kollegin zu Kollegen: “Also ein Geschirrspüler ist unerlässlich für eine Wohnung." Nicken der Kollegen. Antwortet ein Kollege: “Ohne Geschirrspüler kann ich mir eine Wohnung nicht mehr vorstellen.” Das sei schon ein Mindeststandard. usw...
→ Ein ganz normales Gespräch unter Kollegen auf einem Betriebsausflug...

Bitte!?!?!? Das Gespräch fand zwischen älteren Kolleginnen und Kollegen in Vollzeit-Beschäftigung ohne bzw. ausgezogenen Kindern statt, die in der Regel ihren Urlaub nicht zu Hause verbringen und eher unterdurchschnittlich häufig krank auf ihrem Sofa liegen. Berlin leidet, wie die meisten Großstädte Deutschlands, an massiver Wohnungsnot. Größte Not in diesem Gespräch, es könnte kein Geschirrspüler vorhanden sein, in einer Wohnung, in der sich die Unterhaltenden schon rein rechnerisch nur wenig aufhalten können!?!

Ausgelöst hatte ich das Gespräch aus Versehen, weil ich als Smalltalk gemeinte Konversation erzählte, dass ich meine Wohnung gerne entrümpeln möchte und mir dabei die Konmari Methode über den Weg gelaufen sei. Grundthese von Marie Kondo ist: Wer sich in den eigenen vier Wänden wohlfühlen will, umgibt sich bevorzugt mit Besitz, der glücklich macht.

Überspitzt gefragt: Macht ein Geschirrspüler glücklich?

Vorab gesagt, ich bin berufstätig, stelle mich fast täglich dem Berliner Berufsverkehr, habe ein Kleinkind, Partner und einen Minigarten, der auch ein bisschen Aufmerksamkeit will. Also benutzen wir “selbstverständlich” einen Geschirrspüler und - umweltunfreundlich - einen Trockner, neben vielen anderen Haushaltsgeräten. Bis vor kurzem hatte ich ebenso wenig wie die Kollegen hinterfragt, dass bei unserem Lebensstil Haushaltsgeräte praktisch bis überlebensnotwendig sind.

Trotzdem schreiben viele Minimalisten auf ihren Blogs, dass man die meisten dieser Gegenstände nicht wirklich bräuchte. Ich habe es ihnen bis zu diesem Sommer nicht glauben wollen. Mein Gedankengang war eher, dass diese Blogger bestimmt nicht Großstadt plus Kind etc. managen müssten.

Und dann passierte mir folgendes:

Im Sommer waren wir zelten. Dabei sind wir per Flugzeug angereist. Ja, ich weiß, auch nicht unbedingt die umweltfreundlichste Art, Urlaub zu machen. Beim Billigflieger wird Aufgabe-Gepäck mittlerweile teuer. Daher haben wir uns außer Handgepäck für die Zelt-Ausrüstung nur zwei große Taschen geleistet. Damit hatten wir neben Zelt, Matten, Schlafsäcke, Taschenlampen und ein paar Klamotten nur eine lightmyfire Campinggeschirrausrüstung, ein Taschenmesser, eine extra Schüssel, etwas Besteck, einen Topf, eine Pfanne und einen Gas-Kocher zur Verfügung, für drei Personen! Ursprünglich hatte ich eingeplant, vor Ort in den Supermarkt zu gehen und alles Notwendige zu kaufen, weil diese Variante billiger ist, als noch ein Gepäckstück extra zu bezahlen (ja, ich weiß, keine zero-waste Lösung…).

Das Erstaunliche: die Shoppingtour vor Ort blieb weitestgehend aus. Bis auf sehr wenige Ausnahmen waren wir mit dem Mitgebrachten zufrieden. Morgens haben wir nett gefrühstückt, abends machten wir Feuer, auf dem - erstaunlich lecker - gekocht wurde. Nicht nur das: wir mussten zwar drei Mal am Tag abwaschen, doch mit allem Aufräumen der Küchenutensilien zusammen waren wir durchschnittlich 5min bis maximal 10min beschäftigt. So wenig Zeit habe ich noch nie für so viel selbst zubereitetes frisches Essen an Abwasch- und Aufräumzeit verbraucht!


Wie sieht es tatsächlich in meinen Schränken zu Hause aus?

Diese Erfahrung hat mir sehr zu denken gegeben. Brauche ich wirklich ca. 15 große und kleine Teller, Schüsseln, Becher etc., die in unserem Schrank stehen? Nach dieser Erfahrung: Vielleicht löst der Geschirrspüler die Notwendigkeit von so viel Geschirr aus, OHNE dass wir dadurch eine Zeitersparnis hätten.

Mit dieser Erfahrung bin ich nicht allein

Ein Kollege, der an der oben berichteten Episode nicht beteiligt war, erzählte mir vor kurzem, dass er wegen Sanierungsarbeiten im Sommer in seiner Wohnung den kompletten Wohnungsinhalt für Wochen in Kisten verstauen musste. Dabei sei ein vergleichbarer Effekt eingetreten. Er hatte sich zwei Tassen, zwei Teller etc. zur “Notversorgung” draußen gelassen, um nun jedoch dauerhaft dabei zu bleiben. Aus der Notversorgung wurde eine völlig ausreichende Ausstattung, mit der er laut eigener Aussage sich versorgt fühle und außerdem auch noch entspannter sei.

Mit Achtsamkeit der Wohnungseinrichtung begegnen

ist der erste Schritt. Zwar sind auch wir noch bei der “Standard”Ausrüstung in unserer Küche verblieben. Hektischer Aktionismus bringt nämlich nur eins: noch mehr Stress. Zwischen Stadt- und Urlaubsalltag gibt es durchaus Unterschiede. Nichts desto trotz werde ich sicherlich nicht mehr ohne ganz genau für mich nachzuprüfen, davon ausgehen, dass die in diesen Breitengraden übliche Einrichtung mir und meiner Familie einen spürbaren Mehrwert in der eigenen Wohnung bietet. Es ist auch ganz klar, dass wir ein gewisse Menge an Einrichtung benötigen, um uns wohlzufühlen. Doch wieviel und was passt wirklich?

Alles, was in der Wohnung steht, muss gepflegt werden

Wir merken oft nicht, dass die Wohnungseinrichtung selbst Ursache für eine unterschwellige Dauerbelastung sein kann - entweder weil es zu viel oder weil es nicht das Richtige ist. Meine persönliche Erklärung dafür ist, dass wir in unserem Umfeld mehr oder weniger ähnliche Möbel etc. besitzen. Warum sollte da die eigene Einrichtung nicht passen, wenn sie doch für alle anderen zu passen scheint? Außerdem ist diese Dauerbelastung für viele Menschen vernachlässigbar, weil Erschöpfung nicht zu ihrem Erfahrungsfeld gehört. 
→ Für alle, die sich jedoch (oft) überlastet, überfordert oder erschöpft fühlen, kann es sehr lohnenswert sein, solche unterschwelligen Belastungen mit der Zeit abzubauen, um dauerhaft in den grünen Bereich zu kommen.

Bewusstheit für dieses Thema entwickeln und mit Achtsamkeit der eigenen Wohnung zu begegnen ist schon die halbe Miete. In Teil 2 stelle ich drei Möglichkeiten vor, wie Du tiefgehender herausfinden kannst, was Dir und Deiner Familie in Deiner Wohnung gut tut.

Kommentare

Beliebte Posts