Nein, Du bist nicht das Beiboot Deines Elternschiffes

Folge Deinem eigenen Kurs

Ich stelle mir das Leben manchmal vor, wie einen mäandernden Amazonas. Wir können unser ganzes Leben hinter dem Elternschiff hinterherfahren. Die Entscheidung ist völlig ok, doch es ist Deine Entscheidung, dies zu tun - nicht die Deiner Eltern. In der Pubertät fangen wir vielleicht an, in unserem Boot heftig herumzuwippen, Wellen zu schlagen, mit den Paddeln um uns zu schlagen - “Kommt mir ja nicht zu nahe!” -, weil wir den Kurs unserer Eltern an und für sich blöd finden. Das Dumme dabei ist, man kann zwar ein bisschen Autonomie erreichen, - wer will schon einen Paddel an den Kopf kriegen - früher oder später schleudert der selbst produzierte Wellengang einen wieder zurück zum Ausgangspunkt. Schiffbruch ist nicht ausgeschlossen und Sprüche a là: Haben wir es Dir nicht gleich gesagt? sind inklusive. 

Verabschiede Dich mit Freundlichkeit von dem, was nicht mehr passt

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, mit Geduld und Ruhe die Enterhaken unserer Herkunftsfamilienschiffe zu lösen: Heilungsarbeit und Fokussierung auf Deinen Lebensfluss, echte Autonomie will erreicht werden. Da draußen gibt es viele Abbiegungen und Windungen im Fluss des Lebens, die unsere Seele erkunden will. Langsam entfernen wir uns, ohne Drama, ohne Gezicke, ohne Schuldvorwürfe. Auch das Elternschiff hat sein Recht auf seinen Kurs und sei er noch so verletzend, langweilig, konservativ, einfach, ausgeflippt, durchgedreht oder wie auch immer die Eltern gestrickt sind.

Nur Du weißt, wo entlang Du fahren willst

Wenn Du hörst, dass sie Dir hinterherrufen, dass Du doch ihren Kurs wählen sollst - das sei der sicherste - dann winke ihnen freundlich zu. Wer in Ruhe seinem Kurs folgt, bietet keine Fläche für Enterhaken. Und wenn Dich doch mal ein Haken erwischt und zurückziehen will? Auch kein Drama, jeder Haken, der Dich von Deinem Weg abbringen will, kann mit Dank gelöst werden. Er gibt Dir Zeit, Deine nächste Reiseetappe klarer werden zu lassen. Am Ende ist die Liebe zum eigenen Leben immer stärker. Manchmal verspürst Du vielleicht das Bedürfnis, mal bei Eltern, alten Bekannten etc. vorbeizuschippern, auf einen Kaffee oder so: Mal sehen, welche Route die anderen genommen haben, sich gegenseitig berichten, was man erlebt hat, auf der eigenen Reise. Manchmal auch einfach nicht. No muss, no fuss. Wenn Du Deine eigene Route einschlägst, werden Dir Deine eigenen wunderschönen Momente, Dein eigenes Leid, Deine eigenen Wasserturbolenzen, Deine eigenen Flauten präsentiert. Klar ist es hart, niemanden mehr für die Schwierigkeiten des eigenen Lebensflusses unterwegs verantwortlich machen zu können. Na und?

Nichts ist so spannend wie die eigenen Erfahrungen

Es ist Deine Entscheidung, Deine Erfahrungen zu machen. Das macht das Leben zu dem, was es ist: Dein Leben. Neue Freunde, Weggefährten warten dort draußen. Manche mögen 20 Jahre die gleiche Flussauen wie Du erkunden, manche nur 6 Monate. Im Herzen behalten können wir alle, wenn wir es schaffen, zum richtigen Zeitpunkt uns zu verabschieden und freundlich zum Abschied zu winken. Dann kann man jederzeit ohne Bedauern zum Klassen-, Familien-, Freundestreffen ohne Groll im Herzen fahren und ohne dass andere einem Flüche hinterrufen, weil man beim Entfernen aus bekannten Gewässern einen Aufstand (“Wie konntet Ihr mir das nur antun?”) veranstaltet hat oder anderen die Paddel um die Ohren (“Euer Leben ist so scheiße, nur damit ihr es wisst”) gehauen hat.

Viel Spaß beim eigenen Leben...

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