Living like a monk - eine einfache Methode, sich selbst zu erden - Teil 2

Bild: freepics

Eine praktische Umsetzung fürs Geerdet fühlen

Nun, wie setze ich um, dass ich mich geerdeter fühle, in meinem Berufsleben mit Kleinkind und Partner in einer Großstadt lebend?

Dazu kam mir ein pinterest-Bild unter die Nase, auf dem ich - zusammengefasst - unter dem Motto living like a monk in etwa folgende Punkte lesen konnte:

  • ein einfaches, bekömmliches Essen selbst zu bereiten
  • in Ruhe essen
  • die Essensschale und das Besteck abwaschen
  • den Essplatz und die benutzten Gegenstände aufräumen.

Tatsächlich sind (z.B. buddhistische) Mönche meist wirklich sehr im Hier und Jetzt, völlig geerdet, im Zentrum ihres eigenen Lebens. Das liegt neben den Unmengen an rituellen Handlungen, Meditationen etc. auch daran, dass sie ihren Lebensraum selbst bewirtschaften.

Eine Kopie dieses Leben dürfte so ziemlich für 99,9% der Menschen in Deutschland nicht in Betracht kommen. Denn Mönche haben in der Regel nur eine spartanisch eingerichtete Kammer zu reinigen und Kleidung dürfte auch nicht gerade der Schwerpunkt in ihrem Leben sein. Kind und Kegel sind in dieser Form von Leben noch weiter entfernt. Es dürfte ohnehin ziemlich schwierig sein, dem eigenen Partner oder dem Nachwuchs klar zu machen, ab morgen leben wir hier wie die Mönche. Die Antwort lässt sich vorhersehen: Geht's noch!? Wer will nur noch in der selbst gewaschenen Kutte herumlaufen?


Übertragen auf unsere Lebensverhältnisse kann es heißen

Anfangen, 15min des täglichen, eigenen Lebens wieder selbst ohne Störungen verrichten. Wichtig ist die tägliche Verrichtung, also lieber ganz, ganz klein anfangen, als einmal total fertig sein nach 2h Haushalt und es dann wieder sein lassen.

Sehr gut geeignet sind z.B. die Wäscheberge, die in einer Familie regelmäßig anfallen. Also eine Verrichtung, die ohnehin regelmäßig erledigt werden muss. Oder eine Zwischenmahlzeit, die man genau nach den oben beschriebenen Schritten absolviert.
Wichtig dürfte wegen der ständigen Überreizung im Alltag mit Geräuschen etc. sein:

Keine lauten Haushaltsgeräte einsetzen.

Also Staubsauger, Mixer, Brotschneidemaschinen oder all die schönen Industriegartengeräte, die so manch einer zur Pflege seines Gartens angesammelt hat, mal ausgeschaltet lassen. Dabei versuchen, wirklich mit den Händen spüren, Kontakt aufnehmen mit der Verrichtung, die gerade ansteht. Wenn jetzt nur die Waschmaschine beladen wird, nur das tun. Wenn die Hecke im Garten geschnitten wird, dann nur das tun (und zwar per Hand und Gartenschere ohne weitere Geräusche).

Wie schon im ersten Post angedeutet: die Marikondo-Methode kann helfen

Komischerweise hat zufällig bei mir ein youtube Video von Marie Kondo über das Zusammenlegen eines T-Shirts (cool, oder?, dass man mit T-Shirtzusammenlegevideos zu einer der einflussreichsten Personen vom Time Magazine gekürt werden kann) den Groschen fallen lassen. Die gute Marie betonte in ihrem Video, dass es nicht so sehr darauf ankommt, dass das T-Shirt an Volumen verliert, um es wegzuräumen, sondern es kommt darauf an, Kontakt mit dem T-Shirt aufzunehmen. Also mit den Händen und Augen Kontakt zu dem, was ist, aufnehmen.

Die meisten von uns (mich eingeschlossen) haben die Aufmerksamkeitsspanne eines Kolibri. Davon einfach nicht irritieren lassen. Alle paar Sekunden, in denen das Gehirn schon wieder beim nächsten, übernächsten, überübernächsten, überüberübernächsten Problem ist, den Gedanken freundlich mitteilen, wir machen jetzt nur das: Atmen, Anfassen, Füße spüren (falls man gerade steht, sonst den Allerwertesten spüren, wenn man sitzt), Tätigkeit tun, und - Gedanken wieder zurückholen, wo auch immer sie schon wieder waren. Groll, wieso jetzt das das nächste TV-Abendprogramm oder der letzte Kartoffelauflauf im Kopf herumspuken, ist nutzlos. Akzeptieren, dass die Gedanken keinen Abstellknopf haben, ist wirksamer.
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Nichts kann es ersetzen: Will ich im eigenen Leben stehen, muss ich es selbst erledigen.

Um sich wieder zu erden, muss man also nicht unbedingt meditieren, sich nicht zwingend einen Altar aufbauen oder dringend in ein Yogastudio rennen. Das alles kann ungemein helfen (wer die Zeit und Lust dazu hat, klar, unbedingt, habe ich als single auch alles gemacht), nur wirklich im eigenen Leben stehen, heißt, das eigene Leben wieder selbst zu tun. Das Leben findet nun einmal nicht im Yogastudio statt, falls man nicht gerade Yogalehrer ist. Auch muss man daraus nicht gleich eine echte buddhistische Achtsamkeitsübung machen, bei der man 15min nur eine Rosine beobachtet oder so ähnlich 😉. Es darf schon zügig - ohne Hetze! - von der Hand gehen. Ich will meine Aufgabe mal fertig haben. Also Hecke so langsam schneiden, dass sie schneller gewachsen als geschnitten ist, muss es wirklich nicht sein.

Kinder können dabei sein!

Einfacher ist es natürlich alleine zu sein, wenn man sich konzentrieren will. Geht nicht? Auch nicht schlimm, Kinder stören dabei eigentlich nicht: wenn der Nachwuchs noch kleiner ist, den kleinen (versorgten!) Zwerg auf den Rücken oder Bauch binden, dabei sein dürfen ist für kleine Kinder schon das Größte. Dann ist es vielleicht eher eine Haushaltstätigkeit im Stehen/Laufen, wie Fegen, Kochen. Mein Kind wollte im Säuglingsalter die gesamte Zeit geschaukelt werden. Andere Kinder sind zufrieden wenn sie neben Dir liegend zuschauen.

Wird der Nachwuchs größer, kann er mitmachen. Nicht ärgern, dass er vielleicht die Wäsche wieder durcheinander bringt oder Sachen gleich wieder aus dem Regal ausräumt. Es geht um Kontakt mit dem eigenen Leben, nicht um perfekte Ergebnisse. Selbst mein kleiner Hans-Dampf-in-Allen-Gassen macht mit. Ruhe reinbringen tut den Kindern in einer reizüberfluteten Umgebung meist gut. Ich kann also auch noch Rolemodel sein, das meinem Kind ein bisschen Ruhe im Alltag schenkt. 😇

Hier gibt es noch den Standardtip dazu:

Ich empfehle, währenddessen nicht ans Telefon zu gehen und Familienmitgliedern mitzuteilen, dass jetzt nur genau eine Sache ansteht und sonst gerade nichts. No Multi-Tasking!!! Ja, ich weiß, schon hundertmal gelesen - ich habe auch so meine Schwierigkeiten, nicht doch noch mal schnell auf das Smartphone zu schauen, es hat doch nur gaaanz kurz ... nein! Wer sich nicht zurückhalten kann, da hilft nur abschalten!

Und nun viel Spaß damit...

Hier geht's zu Teil 1 von Living like a monk - eine einfache Methode, sich selbst zu erden

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